Mein tantrisches Silvester: Verbindung, Ekstase und ein Gongbad erleben

Es ist Silvester. Mal ein anderes Silvester als sonst. Ich entscheide mich, der Einladung eines guten Freundes, der Tantralehrer ist zu folgen, dieses Silvester in kleiner und gemütlicher Runde mit ihm zu verbringen.

Die Stimmung des Abends ist rundum warm, mit vielen schönen Kontaktangeboten, leckeren Snacks und ganz ohne Alkohol. Wir sind in einem Yoga-Studio in einem kleinen Hamburger Innenhof. Der Abend bietet zum Ankommen eine gemütliche Atmosphäre in der Küche, später tanze ich ausgelassen, frei und wild, einmal bis ich Seitenstechen bekomme.

Ein erstes Highlight des Abends: Alissa bietet an, uns für den Jahreswechsel ein Gongbad zu geben. Gesagt getan, bereiten wir alle gemeinsam ein gemütliches Matratzenlager vor, sodass wir uns alle nebeneinander legen können. Der Gong steht mittig im Raum. Ich komme neben Marie zum liegen. Ich lege meine linke Hand in ihre und wir sind beide lebendig aufgeregt, während der Rest der Gruppe eher ruhig zu sein scheint. “Wir liegen genau im Epizentrum des Gongs” sagt Marie zu mir und strahlt mich an. “Ja, wow, das stimmt” sage ich und merke wie mein Herz kurz hüpft. Es kommt mir so vor, als würden wir beide vor Energie kribbeln. Ich bin offen mich von den Klängen des Gongs und den Frequenzen durchströmen zu lassen. Es ist so cool, dass Alissa uns diese Erfahrung einfach schenkt! Ich atme tief aus und seufze. Lasse Aufregung und Anspannung los. Werde offener und offener, mit jedem Atemzug, den ich tief in meinen Bauch nehme. Der Gong wird gespielt. Wir hören eine Gruppe von Menschen draußen von 10 runter zuzählen, sie wünschen sich freudig-kreischend ein frohes neues Jahr. Recht schnell verebben die Gesprächsgeräusche und wir hören das Knallen und Krachen der Feuerwerkskörper. Unsere Gruppe liegt seit Beginn ganz still, scheint sich bis auf hörbare Atemgeräusch nicht zu rühren. Der Gong kommt mehrere Male zu einem Crescendo und ich spüre wie der Klang meinen ganzen Körper durchzuckt - genau wie auch Marie neben mir zittert und genussvoll schauert.

Fast forward, nachdem sich jeweils außen von unserer Gruppe zwei Menschen in Paaren zusammentun und kuscheln, bin ich mit drei weiteren Frauen in der Mitte. Nachdem der Gong ausklang, fing ich an zu summen und zu singen und hörte die Frauen mit einsteigen. Es war ein wunderschönes Gefühl, zu liegen, zu singen, zu schwingen und im Ausdruck ganz frei zu sein.

Ich weiß nicht mehr genau wie es anfing, aber plötzlich hatten Marie und ich einen Lachanfall nach dem anderen. Sie flüstert mir etwas ins Ohr - Ich lache und lache, lasse mich immer wieder von ihr anstecken und genieße das Auf- und Abbeben des Lachens in meinem Zwerchfell. Ich halte nichts zurück. Keinen Laut, ich lache hingebungsvoll.

Und jetzt zu einem weiteren Highlight: Nach einer Pause und circa zwei Stunden später, sitze ich neben Henning in der Küche. Als er sagt: “Ich gehe nochmal rein kuscheln, wer kommt mit?” Überrascht von seiner Direktheit und dem Blick, den er in die Runde wirft halte ich kurz inne. Ich höre Marie’s entschlossene Stimme ohne zu zögern sagen: “Ich komm mit”. Ich muss schmunzeln, die Vorstellung einfach mit den beiden mitzugehen ist verführerisch.

Aber ich will noch sitzen bleiben, esse und singe ein paar Lieder mit Isabel. Ich tausche mich mit Alissa über Musik aus, großzügig teilt sie ihre Playlist später. Immer wieder schweifen meine Gedanken zu Henning und Marie. “Was die beiden wohl gerade machen? Wie berühren sie sich?” Ich werde neugierig. Also nehme ich meinen Mut zusammen und gehe zu ihnen. Sie liegen umschlungen auf dem Matratzenlager, welches noch von dem gemeinsamen Gong-Bad aufgebaut ist. Als ich sie frage: “Darf ich noch zu euch dazukommen?” sagen beide in meiner Erinnerung wie aus einem Mund: “Ja, klar!”. Darüber freue ich mich total. Ich lege mich intuitiv neben Marie, sie zieht mich direkt ganz nah zu sich. Okay. Meinen Arm lege ich um Henning, der auf der anderen Seite von Marie liegt. So liegen wir zu dritt umschlungen. Marie streichelt meinen Rücken, meinen Arm, wir genießen die Zeit und mir kommt einfach ein glücklicher glucksiger Laut aus dem Hals. “Willst du mal in die Mitte?” fragt mich Marie, ich zögere überascht. “Das ist zu aufregend für mich” sage ich. Ein wenig später wechsel ich aus einem spontanen Impuls den Platz und lege mich neben Henning. Er hat einen großen, starken Rücken, der mich anzieht, mich einfach dahinter zu legen. Jetzt ist er in der Mitte, dreht sich auf den Rücken und öffnet einladend zu beiden Seiten seine Arme. Seine Ausstrahlung ist so fest, geerdet und ruhig. Marie dreht sich zu ihm und auch ich lege mich näher zu ihm. Während ich mich durch die neue Position aufgeregt fühle, scheint er ganz ruhig zu sein und den Moment in ganzer Fülle zu genießen. Marie und ich haben in den letzten Stunden bereits eine sehr angenehme Nähe aufgebaut, vor allem durch das gemeinsam Albern und Wild sein. Obwohl ich sie privat nicht kenne, fühle ich mit ihr vertraut und sicher. Es geht im Tantra auch immer wieder um absichtslosen und präsenten Kontakt.

Marie streichelt mir über den Kopf und über das Gesicht. Henning streicht mir sanft über den Rücken. Ich komme in der neuen Position an. Ich nehme eine Beobachterrolle ein, als ich sehe, wie Henning Marie am Nacken berührt. Sie reagiert wohlig sinnlich, dreht sich auf den Bauch. Ich bin vom Geschehen ganz wach und fasziniert, als könnte ich die Ekstase im Raum zwischen den beiden strömen sehen und auch ich lasse den Impuls zu, sie zu streicheln. Ihr Genießen ist magnetisch. Henning und meine Hand wandern ihren Hals und Nacken entlang, streicheln sie sanft. Sicher und warm. Als seine Hand ein Stück unter ihr Oberteil den Rücken weiter runter streicht, halte ich vor Spannung kurz die Luft an. Beim Anblick überkommen mich Wellen von Lust, die in meinem Bauch beginnen und ein Begehren auslösen, den beiden ganz nah zu sein. Ich entspanne mich, atme tief ein und seufze beim Ausamten. An dieser Stelle könnte das Abenteuer für mich noch ewig weitergehen…

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don’t leave your dreams on your pillow