Zwischen Angst und Wachstum: für einen sanften Umgang mit Unsicherheiten

Es ist okay, dich unsicher zu fühlen – aber lass dich davon nicht zurückhalten. Das Leben will von dir in all seinen Facetten erlebt werden! Es gibt keinen „quick fix“ für Unsicherheiten – und das ist auch das Schöne daran. Unsicherheiten treten in so vielen Formen auf, dass ich den Fokus hier nicht zu sehr einschränken möchte. Stattdessen teile ich meine Gedanken und Erfahrungen, die ich auf meinem Weg gesammelt habe.

Was ich aus meiner Auseinandersetzung mit meinen Unsicherheiten gelernt habe: Sie brauchen keine schnelle Lösung, keinen gut gemeinten Ratschlag und auch keine Expert:innenmeinung. Obwohl ich mir das oft sehnlichst gewünscht habe, ist mir klar geworden, dass Unsicherheiten schlau sind – sie lassen sich nicht täuschen. Was sie wirklich brauchen, ist mich selbst, mit all meinem Mitgefühl für mich selbst und meiner Entscheidung mir auf einer tieferen Beziehungsebene neu zu begegnen.

Eine Einladung, die Beziehung zu dir selbst zu vertiefen

Ich glaube, wir können unsere Unsicherheiten als eine Einladung betrachten, die Beziehung zu uns selbst zu vertiefen. Es geht darum, neugierig und spielerisch vorzugehen, fast so, als würden wir ein Rätsel lösen. Mit der Zeit sammeln wir Hinweise, aus denen sich allmählich ein größeres Bild ergibt. Das Gefühl Klarheit zu erlangen erfüllt uns wieder mit neuer Zuversicht. Unsere Unsicherheiten brauchen uns, um sie “anzunehmen”, an die Hand zu nehmen und mit ihnen ins Leben zu gehen.

Oft haben sie einen biografischen Bezug, sind Platzhalter für etwas in uns, das noch nicht genug Wärme und Fürsorge bekommen hat. Vielleicht verweisen sie auf einen Entwicklungsschritt, bei dem wir früher Unterstützung gebraucht hätten und heute die Möglichkeit haben, zu unserer eigenen Helfer:in zu werden.

Der Umgang mit komplexen Gefühlen

Unsicherheit ist häufig mit komplexen Gefühlen wie Angst, Scham oder Schuld verbunden, was den Umgang damit oft so herausfordernd macht. Diese Gefühle sind nicht leicht zu fühlen, und wir dürfen wir uns Hilfe holen, um sie besser zu bewältigen. Und: dort, wo du jetzt bist, hast du bereits das Allerwichtigste: deine Aufmerksamkeit und dein Herz.

Meine eigenen Unsicherheiten basieren auf frühen Bindungsverletzungen, und deshalb ist es für mich essenziell, meine Themen mit Menschen anzuschauen, denen ich vertraue. Das kann ich gar nicht genug betonen. Auch wenn ich vieles alleine reflektieren kann, hat es eine ganz andere Wirkung, wenn ich bewusst und konkret Unterstützung annehme.

Meine persönliche Geschichte: Scham und daS Schielen

Eine Erfahrung, die bisher nur mein engstes Umfeld kennt, ist mein schlechtes Sehvermögen und Schielen. Viele Jahre habe ich mich unbewusst dafür geschämt. Diese Scham führte dazu, dass ich mich in sozialen Situationen oft verstellt habe. Ich habe meine Ängste und Unsicherheiten verborgen oder überspielt, sodass sie auf den ersten Blick nicht sichtbar waren. Doch dieses Überspielen hat den Umgang nicht erleichtert – im Gegenteil. Es führte dazu, dass ich mich innerlich zurückgezogen und versteckt habe, mit all meiner Trauer und meinen Wünschen. Nach außen merkte man mir nichts mehr an und im Inneren war ich hilflos.

Heute verstehe ich meine Geschichte besser, aber dieser Prozess erfordert Zeit, Kapazität und den Wunsch, wirklich zu verstehen. Schritt für Schritt habe ich alte Selbstbilder loslassen und um verpasste Möglichkeiten trauern müssen.

Dabei habe ich erkannt, dass es im Grunde nicht um meine Augen und das Schielen geht. Vielmehr geht es um einen tieferen Beziehungskonflikt, der durch meine Augen sichtbar wird und eine materielle Gestalt findet. Diese Einsicht ist besonders spannend, aber sie bringt mich immer noch manchmal an meine Grenzen. Und das ist auch in Ordnung.

Während ich diesen Text schreibe, gerate ich immer wieder ins Stocken und sinke in ein Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit, in dem ich keine Worte finde. Dann pausiere ich, atme tief durch, trinke einen Schluck warmen Tee oder rieche an einem ätherischen Öl, um mich im Hier und Jetzt zu verankern. Ich nehme Druck raus und lenke mich ab, bis ich wieder weiterschreiben möchte.

Vielleicht fragst du dich: Wie kann ich im Alltag lernen, meinen Unsicherheiten sanfter zu begegnen? Vielleicht möchtest du dich von meinen Impulsen inspirieren lassen:

  • Immer wieder Pausieren und atmen: Wenn Unsicherheiten dich überwältigen, hilft es, einen Moment innezuhalten. Atme tief durch, trinke einen warmen Tee, geh spazieren oder nutze Düfte wie ätherische Öle, um dich zu beruhigen.

  • Unterstützung holen: Der Austausch mit Menschen, denen du vertraust, kann heilsam sein. Manchmal sehen andere Aspekte deiner Unsicherheiten, die dir selbst verborgen bleiben. Professionelle Angebote wie Therapie oder traumainformiertes Coaching mit körperorientiertem Ansatz.

  • Geduld entstehen lassen: Unsicherheiten zu verstehen und anzunehmen ist ein längerer Prozess. Er erfordert Zeit, Mitgefühl und die Bereitschaft, dich auf die Reise zu dir selbst einzulassen.

Mut zur Unsicherheit. Mut zu dir.

Vergiss nicht, es braucht Mut, um Unsicherheiten in uns zu begegnen. Mut, zu dir selbst zu stehen. Und Mut, mit deinen Unsicherheiten mutig zu leben. Nur du kannst dich immer wieder für dich entscheiden.

Ich schicke ganz viel Wärme zu dir.

Mein Blog ist ein Ort, meine Erfahrungen zu teilen. Wenn ich dich ein Stück auf deinem persönlichen Weg begleiten darf, findest du auf meiner Website die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit.

Hast du eigene Erfahrungen mit Unsicherheiten gemacht? Möchtest du hier etwas teilen? Schreib mir deine Gedanken in die Kommentare, oder auch als E-Mail oder auf Instagram – ich freue mich, von dir zu hören.

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